Kunstkochen

Kunstkochen! Kaum von diesem Wettbewerb gelesen, war mir klar, dass ich mitmachen möchte. Wie wird ein Gemälde zu einem Rezept? Welches Gemälde wähle ich aus?

Das abstrakte Bild mit den Schichten „Blick in das Fruchtland“ von Klee, lässt mich sofort an ein Foto aus dem Buch „Desserts. Meine Leidenschaft“ Michel Roux, Christian Verlag, 1995, denken. Es zeigt ein Glas, in das viele Lagen Mousse eingeschichtet sind: Minze, Himbeere, Birne, Schoko, Karamell…. Das Bild ließ sich nicht durch ein anderes Vertreiben…

Das Arafat Bild weckt in mir eher langweilige Assoziationen: Etwas cremiges mit Zimt, Nüssen, Karamell oder Honig. Oder eine Suppe: Petersilienwurzel, Topinambur, Parmesan, Prosecco mit Pfeffer, Quatres Épices, Nüsse oder natürlich Kaviar – alles sehr lecker, aber nicht so aufregend. Andere können das Bild superschön umsetzen: Desiree mit ihren Macarons oder Tamara mit ihrer Mango-Kokoscreme Tarte …

Das Gemälde „Frühstück“ von Dennis, lässt mich an Rote Grütze denken. In meiner Kindheit gab es die bei den Nachbarn, wenn es heiß war und in meiner Hotelküchenzeit war es das Standard Dessert für das Versicherungsvertreter-Menü. Nein, keine Rote Grütze. Die Aprikosentarte, die Kristina aus Karlsruhe, zu diesem Bild schuf, gefällt mir ausgezeichnet. Sie klebt nicht an den roten Strukturen des Bildes, sondern ihr Motiv hat diese luftige Leichtigkeit der Vorlage. Und wer würde schon zu einer Aprikosentarte zum Frühstück nein sagen?

Die Dame mit dem Hündchen „Bildnis einer Dame“ von Bronzino, hätte ich gerne kulinarisch umgesetzt. Hund? Da wird der Hund in der Pfanne verrückt! Da liegt der Hund begraben! Bei diesem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür!
Nein, nichts mit Hund.

Was würde sich die Dame von ihrem Diener bringen lassen? Ein Schälchen Wasser für den Hund?  War sie ungeduldig, weil die Familie schon beim Tee saß? Oder war sie froh Modell zu sitzen, weil die Jagdgesellschaft ihres Mannes tafelte und sie den Hautgout des Wildes nicht schätzte? Ich glaube, sie liebt Konfekt. Ich glaube, sie braucht etwas Aufmunterung. Vielleicht serviert einer der Kunstköche ihr etwas Süßes.

Das gepünktelte Bild „Nachmittag im Garten“ von Cross, spricht mich weniger an. Es ist mir zu pünktelig. Wie würde eine Mahlzeit aussehen in diesem Stil? Welcher Teller ist aus der Nähe unkenntlich und offenbart sich erst, wenn man von ihm weg tritt? Beim Essen ist es eher anders: Aus der Ferne sind die einzelnen Bestandteile unkenntlich und aus der Nähe offenbaren sich die Köstlichkeiten.

Die „Krocketpartie“ von Manet ist so eine Art gemalter Fitnessteller. Die Damen und der Herr in den hellen Kleidern im Grünen, wirken etwas deplatziert in ihrer Umgebung. Marshmallows auf grünem Salat oder Oeufs à la neige auf Spinat hätten auch so etwas deplatziertes.

Die „Komposition“ von Freundlich gibt da mehr her. Etwas zentrales gelbes umgeben von allerlei buntem. Die Sunshine-Mango-Coco Raw-Cake sagt mir da besonders zu, denn sie nimmt die Dynamik des Bildes auf…. und verzettelt sich nicht mit buntem Gewürfel. Wie schafft es die Bäckerin, die Essenz des Bildes zu erfassen und sie dann in eine Torte umzufüllen? (Nach meiner Ansicht ist die Dynamik die Essenz dieses Bildes). Habt Ihr schon mal von einer dynamischen Torte gehört? Wohl nicht, irgendwie alles ein bisschen verdreht (Dynamik!) in meinem Kopf …

Wieso habe ich mich für das Stilleben mit blauer Vase und Pilzen von Scholderer entschieden? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht genau.

Das Bild ist sehr reduziert in den Farben und Formen. Es ist ruhig, weil dunkle Farben vorherrschen und es hat etwas edles – der leichte Goldton der Pilze und die Spiegelung im Vordergrund.

Blog Jutta Hofmann

#kunstkochen von Alnatura und dem Städelmuseum in Frankfurt ist ein besonderer Wettbewerb. 12 ausgewählte Kunstwerke dienen als Vorlage für ein Gericht. Seid Ihr dabei? Die Aktion läuft noch bis 17. Juni 2017.

Was aus den Zutaten geworden ist, welche auf dem großen Bild sind, seht Ihr auf www.kunstkochen.de, wenn Ihr das „Stillleben mit blauer Vase und Pilzen“ aufruft: Votet für Jutta aus Schopfheim! Danke!!!!

Lieblingstasse

Jürgen rief zu einer Blogparade zum Thema „Lieblingstasse“ auf.

Das ist der Anlass, meiner longtime-allzeit Lieblingstasse zu huldigen, nachdem ihre Nebenbuhlerinnen durch meinen Mann oder durch meine eigene Ungeschicklichkeit in Scherben gelegt wurden.

Lieblingstasse

„Na, wie wäre es mit einem Kaffee? Mit Vanille? Mit Tahiti-Vanille?“
Der Papagei schaute mich aufmunternd an.
„Du hast recht. Ein Kaffee wäre jetzt gut. Vanille ist allerdings nicht mehr viel da. Und es dauert noch lange, bis Jacky wieder welche aus Tahiti mitbringen wird.“

„Sei nicht so geizig zu dir!“, krächzte der Papagei.

Ich entgegne ihm nichts. Als ich mir vor mehr als 25 Jahren die Tasse kaufte, wollte ich mir etwas Gutes tun: Ein edles Einzelstück aus Bone China von Villroy&Boch mit einem Design, das einen Hauch von Exotik, von etwas besonderem hat.

„Wie wäre es stattdessen mit Kardamom im Kaffee?“
„Dann kannst du gleich Orangenlikör nehmen. Ich mag es nicht so parfümiert. Schließlich bin ich kein Tässchen aus Ägypten.“
„Du bist heute sehr sensibel!“. Das Gelb auf seiner Brust wurde sehr blass.

„Heißes Ingwerwasser wäre noch schlimmer!“
Der Papagei sträubte sein Gefieder.
„Oh, im Kühlschrank ist noch Ingwer.“
Ich erinnerte mich an meinen Vorsatz, jeden Tag heißes Ingwerwasser zu trinken. Es sollte den Fettabbau ankurbeln, die Abwehrkräfte stärken und den Körper reinigen. Das Ingwerwasser sollte mich zu einem besseren Menschen machen: licht, leicht, beweglich, scharfsinnig…
„Lass´ den Kühlschrank zu!“, knarzte der Papagei. Sein Schnabel schien sich in meine Richtung zu heben.

„Dir wäre wohl heißer Blutorangensaft mit selbstgemachtem Punschextrakt lieber?“
„Schau´ auf die Uhr! Es ist 9:48 Uhr!
Er wippte auf seiner Liane hin und her.
Ja, du hast Recht, dachte ich. Das wäre der falsche Orangensaft zum Frühstück. Außerdem ist der Punschextrakt leer. Es ist schließlich schon März.

„Heiße Schokolade aus dunkler Kuvertüre mit Milch und Vanilleschote gekocht. Wie wäre das?“, versuche ich den Papagei zu beruhigen.
„Ich traue dir nicht! Auf der Anrichte steht noch die Flasche Chartreuse.“, schnarrte der bunte Vogel.
„Du bis heute sehr negativ eingestellt. Rechnest nur mit dem Schlimmsten. Schau´ die schöne grüne Farbe des Likörs an! Sie hat so was von Urwald.“
Ich hatte den Eindruck, als würde sich der Papagei von mir abwenden. Nach einem Urlaub in Savoyen hatten wir an Winterabenden oft „Choco Truffes to drink“ – dicke, heiße Schokolade mit Chartreuse. Sie bringt einem – so wie es Ziel der Mönche bei der Schaffung des Likörs war – dem ewigen Leben ein Stück näher.

„Weißt du, an was ich gerne zurückdenke?“, wandte sich der Papagei versöhnlich zu mir, „Wie unsere gemeinsame Zeit begann.“
„So schön war das damals nicht für mich.“, stellte ich fest: Trennung, Ärger mit der Familie, frisch umgezogen in eine neue Stadt.
„Ich erinnere mich an die wunderbaren Grüntees, die du dir damals gegönnt hast. Du bist extra in die nächste Stadt gefahren, um die Tees zu kaufen, über die du im „Feinschmecker“ gelesen hattest. Ich sage nur: Hua Hin Silver Needle!“
An diesen Tee erinnere ich mich auch. Ich musste ihn dem Teehändler fast abschwatzen und konnte mir trotzdem nur ein paar „Needles“ leisten so unglaublich teuer war er.

„Tempi passati!“, dabei plustere sich der Papagei auf.
„Also, gut. Es gibt Kaffee mit Vanille!“ lenkte ich ein.
Der Papagei glättete seine Federn wieder.

Hatte er wirklich mit mir gesprochen?

Lieblingstasse Amazona
Blog Jutta Hofmann

Mehr über Lieblingstassen gibt es auf dem Blog „Besondere Tassen“ von Jürgen.

Gäste, wie man sie gerne hätte

Party Gäste

sie kommen zu früh, sie kommen später oder gar nicht
Gäste wollen helfen, sie bringen Salate mit
und lassen Schirme oder grüne Eimer zurück

sie stellen Biergarnituren auf, leihen Tischtücher aus
bauen die Bar auf oder klappen Tische zusammen
sie leihen Kerzen, Weinkühler, Barbesteck
Kumquats und braunen Zucker

sie arrangieren das Buffet mit Tomate-Mozzarella
Nudelsalat mit Erbsen aus der Dose, ganz klassisch
veganem Getreidesalat
Donauwellen, Tiramisu, welches doch keines ist,
Cake pops, yes

sie helfen an der Spülmaschine, räumen ein, aus und um,
holen die peinliche Vase aus dem Schrank, um Blumen zu versorgen
rennen, wenn ein Glas umkippt
stehen mit dem Besen in der Hand da, wenn es Scherben gibt

bringen mit ihren Cd`s die Musikanlage aus dem Takt
später schlafen sie auf Sofas und Teppichen
schrubben die Pril-Blümchen von den Fliesen
trinken Kaffee, essen die Rest-Muffins

dann sind sie weg

Waffeln in drei Phasen

1. Phase:

Waffeln! Es ist alles da für das neue Rezept. Schließlich möchte ich so stylish frühstücken wie die Fotografinnen in meinem Instagram Account. Das yummy Ergebnis mit den maple syrup drizzled waffles with strawberries, natürlich alles organic und local grown, sollte dann auch online gehen.

2. Phase:

Backen! Es riecht gut, kleine Dampfwölkchen steigen vom Waffeleisen auf. Der Deckel des Eisens hebt sich nicht. Mal sehen. Gegen leichten Widerstand kann ich das Eisen öffnen und es entlässt die erste braun gebackene Waffel. Schnell kommt sie auf ein Gitter, das Eisen wird mit der nächsten Kelle Teig gefüttert und wieder zugedrückt.

Auch dieses Mal hebt sich der Deckel nicht. Er lässt sich gegen Widerstand öffnen: Die Waffel hat sich geteilt, ein Teil klebt unten, ein Teil klebt oben. Na, ja. Mit etwas Geschick, einer Gabel und der Angst, dass mir der heiße Deckel auf die Finger fallen könnte, löse ich die Hälften.

Ich bemerke, dass der Teig kein Fett enthält. Flugs rühre ich einen Löffel Pistazienöl unter den Teig, fülle ihn in das Eisen und warte. Es duftet nussiger als die vorigen Male, aber auch diese Waffel klammert sich am Eisen fest. Energischer als zuvor löse ich sie in kleinen Stückchen ab.

Beim Blick auf das Rezept, kommt mir in den Sinn, dass ein Eigelb – das eigentlich gar nicht vorgesehen ist – die Backeigenschaft des Teigs entscheidend verbessern könnte. Schnell ist das Eigelb untergerührt, der nächste Klacks Teig auf dem Eisen und kaum geschlossen beginnt sich der Deckel, wie es sein soll, zu heben. Mit Freude warte ich bis die Waffel fertig ist, denn ein schönes Exemplar reicht schließlich für das Instagram Foto.

Es gibt kein Foto. Die Waffel hat sich in eine fraktale Struktur – so würde es wohl ein Mathematiker formulieren – verwandelt, die sich mit dem Eisen verbunden hat. Waffelsplitter schlittern über die Arbeitsplatte, das einzige schöne Herz auf dem Gitter wird mit Krümeln besudelt. Halbfester Teig klebt außen am Waffeleisen, die verbliebenen Reste werden immer dunkler, dabei riecht es nach geröstetem in der Küche. Ich breche ab. Kein Foto heute.

3. Phase:

Putzen! Geduldig löse ich mit einem Pinsel die Krümel vom Eisen. Sie verteilen sich dabei sommersprossig über die gesamte Arbeitsfläche samt dem Küchenboden. Ich fege alles zusammen, falte ein nasses Papiertuch, das ich dann zwischen das Eisen klemme, in der Hoffnung, dass die Brösel aufgeweicht weniger störrisch sind. Drei Stunden später hat das Papiertuch die Farbe von Milchschaum auf einem Cappuccino angenommen. Ich wische mit dem Tuch behutsam über das Metall, was eine Brösel-Papier-Fasermischung entstehen lässt, die man unter großem Druck und Hitze bestimmt in einen organic coffee-to-go Becher verwandeln könnte. Ich fege wieder alles zusammen, dann schließe ich das Waffeleisen, mit der Absicht, es am anderen Tag endgültig zu reinigen.

Am nächsten Morgen heize ich das Waffeleisen wieder an. Die klebenden Brösel werden kaffeebraun, riechen wie angebrannte Erde, ziehen sich zusammen und lassen endlich das Eisen los. Mit dem Pinsel streiche ich die letzten Krümel ab, die scheinbar erleichtert dem Eisen entkommen zu sein, quer durch die Küche hüpfen.

Ein Rezept für nicht klebende Hirse Waffeln gibt es unter „Kochen und Essen“.

Ziegenkäse

Der Verkäufer sieht aus wie eine Kreuzung aus Mark Foster und Tick, Trick und Track. Sein Bart ist so gepflegt, dass man fast auf eine extremistische Neigung schließen könnte. Mit wachem Blick steht er hinter der Käsetheke. Theke? Nein, Vitrine! Die verschiedenen Käse sind auf unterschiedlich hohen Plateaus angerichtet. Bei jedem Käse steht der Name und ein QR Code.

„Hi, hast Du eine Scanner App auf Deinem Smartphone?“
Sehe ich aus, als hätte ich das nicht?
Ich ziehe mein Smartphone aus der Tasche, fege das graue Haar vom Display und scanne den Ziegenkäse.

Der Käse stammt von den Ziegen, welche in gerader Linie Nachfahren der Ziegen des Dalai Lama sind, natürlich vor der Invasion der Chinesen. Sie bewohnen einen Stall, der nach anthroposophischen Grundsätzen nach den Gestirnen ausgerichtet ist, unter zu Hilfenahme eines Sextanten, den schon Marco Polo im Gepäck hatte.

Ihr Fell wird mit Bürsten einer Schwarzwälder Manufaktur gestriegelt, während ein Barde Hirtenlieder singt und auf einer kurdischen Geige dazu spielt. Seine Vorfahren brachten in der Mongolei Kamele zum Weinen und im osmanischen Reich Sultane zum Lachen.

Die Ziegen werden von mit Bio-Arganöl gepflegten Händen rhythmisch gemolken. Danach wird die Milch erwärmt und mit einer Kultur versetzt, welche aus einer Grabbeigabe im alten Ägypten stammt und wieder belebt wurde. Zur Sicherheit hat ein venusischer Heiler die Bakterien vom eventuellen Fluch der Pharaonen befreit.

Die Käse reifen anschließend in recycelten Bronzegefäßen in einer Höhle, deren Wände von kultischen Zeichnungen einer matriarchalen Kultur bedeckt sind. Nach einer Reifezeit von exakt 56,3 Stunden werden die Käse von einer Integrations-Initiative in mit Mikroorganismen geimpfte, kompostierbare Käseleinen verpackt.

Ich schaue von meinem Display auf und deute auf den Käse:
„Ja, ich will von diesem Käse!“

Tick, Trick, oder Track nimmt ihn aus der Vitrine, legt ihn auf die Waage.
„Macht 19,43 Euro!“ „Es sind immerhin 42 g von diesem seltenen Ziegenkäse“, versucht er mir die eventuelle Reue meiner Entscheidung zu nehmen.

Ich tausche einen 20 Euro Schein gegen den Käse ein und verlasse den Laden.

Ob der Käse geschmeckt hat?

Weiß ich nicht.

Die Dose Schältomaten in meiner Einkaufstasche drückte auf den Ziegenkäse. Er quoll durch das kompostierbare Leinen.

Ziegenkäse von Vorne auf Tableau

Hallo Welt!

Diese Überschrift verwendet WordPress.

Klingt etwas bescheuert, aber irgendwie stimmt es auch.

Hatte ich früher, ich meine, als das Telefon noch fest an der Wand montiert war, Brieffreundinnen in Jugoslawien (hieß damals noch so – heute wäre es Serbien), Finnland, Frankreich und Italien, folge ich heute Blogs aus Kalifornien, Spanien, Deutschland, Saudi Arabien…

Mein Alltag wird dadurch bereichert.

Ich lese Texte im Netz auf englisch, französisch, spanisch oder italienisch -letztere mit Übersetzungshilfe

Schmuddel-Ecken in der Wohnung werden herausgeputzt
all die schönen Dinge, die in den Schränken schlummern, werden auf dem Sideboard immer wieder neu arrangiert

Ich trage manchmal mein Frühstück in den Wald, um es dort zu genießen
Anstatt Marmeladenbrot oder Müsli gibt es jetzt zusätzlich Waffeln oder Pancakes

Ich sehe, dass in Oregon schon Schnee liegt, in Riyadh der Verkehr vierspurig um unglaubliche Hochhäuser fließt und man sich in Melbourne auf den Sommer freut
Mein Alltag ist einer von vielen…

Online Inspiration wird zu offline Aktion

Rubinette

Rubinette

Auf dem Tischchen vor Elsa liegt ein Apfel. Ihre Augen tasten die Form ab und geben sie an ihre Hände weiter, die mit Schwung den Umriss des Apfels auf das Papier zeichnen. Er verjüngt sich von oben nach unten, ist zur rechten Seite mehr gewölbt als zur linken.
Der Stil lugt verloren aus der kleinen Vertiefung. Elsa ist mit der Kontur zufrieden.

Ihre Augen wechseln zwischen dem Apfel und den Pastellkreiden. Welcher Grundton hat der Apfel ? Rechts ist er mehr grün. Genauer betrachtet ist das Grün mit gelben und roten Farbtönen leicht durchmischt. Links ist er mehr rot.

Rubiinette überwiegend grün

Am Stil überwiegt der olivfarbene Ton, der strichig in verschiedene rote Farbtöne übergeht. In Elsas Farbkasten gibt es: orange, cadmiumrot, karmesin, magenta, oder siena gebrannt.

Elsa schraffiert die rechte Seite in Grün, die linke in Rot. Je mehr Rottöne sie in kurzen Strichen aufträgt, desto mehr wird die Farbfläche zum Apfel, nur der Übergang von der rechten zur linken Seite will nicht gelingen. Elsa tritt zurück und lässt ihren Blick nochmals über den Apfel gleiten.

Rubinette stehend im Vordergrund mit roter und grüner Schale

Sie nimmt den Apfel in die Hand und schließt die Augen. Die Oberfläche ist rau und zart zugleich, ein bisschen wie beflocktes Papier, die Punkte sind erhaben, der Stil kantig, aber trotzdem elastisch. Ihr Daumen spielt mit dem Anhängsel.

Ein fruchtiger Duft steigt ihr in die Nase. Zitronig, rosig, etwas nach schwarzem Tee. Diese Vielfalt an Eindrücken umgibt den Apfel in ihrer Hand. Die Kühle ist aus ihm gewichen. Ihre Lippen berühren die Haut des Apfels, als sie entschlossen abbeißt. Das Kauen verursacht ein lautes Geräusch in ihrem Kopf.

Das Fruchtfleisch kühlt ihre Zähne. Sie zerkauen es, der Mund füllt sich mit Saft, der ein prickelndes Gefühl hervorruft. Nach dem Schlucken ist der Mund erfrischt. Elsa betrachtet den Apfel wieder. Das Fruchtfleisch besteht aus irisierenden Kristallen, auf denen der Saft in Perlen steht.

Es ist durchzogen von grünlichen Adern, die sich wie kleine Täler, in Richtung Kernhaus verlaufen. Der nächste Biss legt das Kernhaus frei. Die Kerne haben einen milden Marzipan Geschmack, ihre Hüllen verfangen sich zwischen ihren Zähnen.

Elsa legt den Apfel zurück auf den Tisch. Die schwierige Farbpartie ist nun verschwunden, sie kann weitermalen.

Wohin mit den Buchstaben?

wenn die Franzosen alle Wörter so schreiben würden, wie man sie spricht?

Es gäbe viele Buchstaben, die sinnlos in der Gegend herumstehen würden. Bekämen sie familiäre Probleme, die Vokale und die Konsonanten?

Sie könnten sich zu anderen Wörtern zusammenrotten, die keinen Sinn machen, die benutzten Buchstaben könnten streiken für ihre Genossen, die nun arbeitslos geworden sind.

Es würde Buchstaben geben, die besonders häufig weggelassen werden, worauf sich Interessenvertretungen für – zum Beispiel – weggestrichene S gründen könnten.

Gibt es für diese Buchstaben ein Up Cycling, damit man sie in Zukunft für besonders schöne Worte aufbewahrt ?
Oder werden sie ausgestellt oder gar irgendwann aufgebahrt?

Wie lange kann ein Buchstabe ohne Worte leben?

Verkaufsoffener Sonntag

Wie kommt es, dass Geschäfte der Überzeugung sind, dass das was sie unter der Woche nicht verkauft bekommen, dann an einem Sonntag verkaufen können. Sind die Kunden entspannter, weniger kritisch, kauflustiger? Gutmütiger, nachsichtiger? Das Personal in bester Verkaufslaune?

Ich weiß es nicht. Diese Sonntage sind nicht meins. Und doch gehe ich hin und wieder hin…. auf der Suche nach einem Geschenk, nach etwas besonderem. Finde ich sonntags was, wenn ich unter der Woche nichts gefunden habe? Habe ich die Illusion, dass es etwas besonderes gibt, weil der Sonntag ein besonderer Tag ist?

Auf jeden Fall gibt es immer Grillwürste.Manchmal habe ich den Eindruck es ist ein Grillwurst-Wett-Grillen mit anschließender Grillwurst-des-Sonntags-Prämierung durch das Publikum.

Es ist also ein verkaufsoffener Sonntag und ich schiebe mich mit meinem Mann durch die Menschenmenge. Das meine ich wirklich so. Während unter der Woche jeder über das Städtchen schimpft, weil man in den Läden nicht das bekommt was man will, weil woanders die Parkplätze billiger und näher sind, sind sie heute am Sonntag ganz anständig in ihrer Stadt unterwegs. Wir blättern Kleiderständer durch, begaffen Schaufenster, schlendern um Oldtimer und E-bikes herum, laufen um die Schlangen herum, die sich an den Grillwurst-Ständen gebildet haben bis zur einzigen Ladenpassage der Stadt. Sie hat noch den Hauch von neu eröffnet, einige Schaufenster sind leer, es ist trotz Oberlicht dunkel in der Passage und seit Jahren hält sich dort ein Geschäft mit asiatischen Lebensmitteln. Es ist eingezogen, bietet mittlerweile fachkundige Massagen und Mittagstisch als zusätzliches Angebot.

Es gibt Pho!

Diese Suppe kenne ich nur aus Reportagen mit Antony Bourdain oder war es Jamie Oliver, von Berichten, die Streetfood Fans oder Rucksack-Touristen verfassten oder von halb medizinisch-wissenschaftlichen Kochsendungen im Fernsehen.

Ein Teller mit fantastisch duftender Brühe, Hühnerfleisch, Nudeln und einem Berg von grünem Gemüse und Kräutern steht vor mir. Ich bin entzückt. Ich habe noch nicht probiert.
Nach dem ersten Löffel habe ich Bilder im Kopf von der Nudelsuppe, die meine Mutter kochte, von Postkarten, die ich aus Vietnam bekam, von Marktständen, von Gewürzläden, von meiner WG Küche, die ich mit Chinesen teilte. Die Suppe ist heiß, würzig, kräftig, frisch, säuerlich, etwas scharf, vollmundig. Sie ist einfach alles.

Auf dem Heimweg lächle ich wie ein Buddah vor mich hin. Betrachte wohlwollend all, die Dinge, die feilgeboten werden. In mir ist die Pho sie wirkt, sie stimmt mich milde, sie macht mich freundlich. Geschmeidig schlängeln wir uns durch die Menschen, glücklich ob unserer Entdeckung.

Monate später will ich die Suppe nachkochen. Meine Kochbücher geben nichts her, ich schaue im Internet. Hühnersuppe kochen wie immer, dann bisschen Sojasauce, Koriander und Thai-Basilikum verwenden. Das kann es nicht sein. Die Suppe hatte doch viel mehr Schichten. Sie kann niemals in einer halben Stunde fertig sein. Ich suche weiter und finde das Rezept, das Ihr nun unter „Kochen und Essen“ findet.
Ich war noch nie in Vietnam, weiß nicht ob es ein arger Stilbruch ist, wenn man die Suppe mit Huhn kocht, aber ich denke das Schichten der Aromen, so wie es in diesem Rezept vorgesehen ist, belohnt einem mit einem besonderen Genuss.

Das Rezept gibt es unter: Kochen und Essen

Teesieb

Es gibt das Tee-Ei an der Metallkette in verschiedenen Größen. Entweder passt die Menge Tee für eine Glastasse hinein oder für eine ganze Kanne. Diese Teekannen aus Porzellan werden noch mit einem Schaumstoffschwämmchen, das mit Hilfe eines Schmetterling verzierten Gummis am Ausgießer befestigt wird, am Tropfen gehindert. So bleibt die handgestickte Tischdecke schön.
Wohin legt man dann das Tee-Ei, wenn der Tee gezogen hat? Tellerchen, Wasschbecken-Rand – egal wo, es wird kleckern und beim Aufschrauben werden die Teeblätter aus den Hälften herausquellen. Dazu verbrennt man sich die Finger an den heißen Blättern, deshalb lässt man das Behältnis besser zu.

Das Teesieb, aus Plastik oder mit aufwendig verziertem Metallrahmen, ist für den Kenner, der den lose aufgebrühten Tee liebt. Die Blätter enfalten sich frei – bevorzugt in einer Glaskanne – und die Tropfen vom Sieb verraten den Teegenießer. Natürlich kann man in der Küche den Tee komplett in eine andere Kanne umgießen. Hier tropft es sich dann ungeniert. Wohin mit den heißen Blättern? Erst mal neben das Waschbecken oder auf eine andere ebene Fläche legen. Ganz besonderes Dynamik entwickelt das Sieb, wenn man es am Griff anstößt. Es kreiselt munter, hat man es gut erwischt, dann stellt es sich auf – beim Kreisel erwünscht, beim Sieb endet es in einer Sauerei.

Als Kompromiss zwischen Ei und Sieb, gibt es das Teenetz. Aus ungebleichter, ökologisch angebauter Baumwolle hält es sich besonderes gerne in WG Küchen auf. Es zeichnet sich durch die braune Patina aus und einer Form, die sich nicht zwischen Socke und Kondom entscheiden kann. Es ist Tatsache, dass man ungebrauchte, trockene nicht findet, während gebrauchte, gefüllte Teenetze überall rumliegen. Glücklicherweise habe ich die WG Phase hinter mir.

Dann gibt es noch die Designteile. Sie tummeln sich in Hippster Küchen mit dem aufgearbeiteten 50 er Jahre Küchenbüffet in Kombination mit hochwertigen Edelstahl-Einbau-Kühlschränken und Garkombinationen. Es gibt sie genauso wie in den Küchen mit Lackoberflächen – in sämtlichen Pantone Farben erhältlich – oder in denn tropenholzfreien Öko Küchen, die über lebendige, nur geölte Oberflächen verfügen. Das Tee-Ei in Design-Form verhält sich gleich, wie das schnöde Metall-Teil und die Benutzer verhalten sich analog dazu. Am Ende kommuniziert der Teefleck mit der geölten Oberfläche und sie verschmelzen zu einem neuen Farbton.