Zucchini, Gurken in feinen Streifen, Minze, Basilikum, Koriander

Wie kommt es, dass Geschäfte der Überzeugung sind, dass das was sie unter der Woche nicht verkauft bekommen, dann an einem Sonntag verkaufen können. Sind die Kunden entspannter, weniger kritisch, kauflustiger? Gutmütiger, nachsichtiger? Das Personal in bester Verkaufslaune?

Ich weiß es nicht. Diese Sonntage sind nicht meins. Und doch gehe ich hin und wieder hin…. auf der Suche nach einem Geschenk, nach etwas besonderem. Finde ich sonntags was, wenn ich unter der Woche nichts gefunden habe? Habe ich die Illusion, dass es etwas besonderes gibt, weil der Sonntag ein besonderer Tag ist?

Auf jeden Fall gibt es immer Grillwürste.Manchmal habe ich den Eindruck es ist ein Grillwurst-Wett-Grillen mit anschließender Grillwurst-des-Sonntags-Prämierung durch das Publikum.

Es ist also ein verkaufsoffener Sonntag und ich schiebe mich mit meinem Mann durch die Menschenmenge. Das meine ich wirklich so. Während unter der Woche jeder über das Städtchen schimpft, weil man in den Läden nicht das bekommt was man will, weil woanders die Parkplätze billiger und näher sind, sind sie heute am Sonntag ganz anständig in ihrer Stadt unterwegs. Wir blättern Kleiderständer durch, begaffen Schaufenster, schlendern um Oldtimer und E-bikes herum, laufen um die Schlangen herum, die sich an den Grillwurst-Ständen gebildet haben bis zur einzigen Ladenpassage der Stadt. Sie hat noch den Hauch von neu eröffnet, einige Schaufenster sind leer, es ist trotz Oberlicht dunkel in der Passage und seit Jahren hält sich dort ein Geschäft mit asiatischen Lebensmitteln. Es ist eingezogen, bietet mittlerweile fachkundige Massagen und Mittagstisch als zusätzliches Angebot.

Es gibt Pho!

Diese Suppe kenne ich nur aus Reportagen mit Antony Bourdain oder war es Jamie Oliver, von Berichten, die Streetfood Fans oder Rucksack-Touristen verfassten oder von halb medizinisch-wissenschaftlichen Kochsendungen im Fernsehen.

Ein Teller mit fantastisch duftender Brühe, Hühnerfleisch, Nudeln und einem Berg von grünem Gemüse und Kräutern steht vor mir. Ich bin entzückt. Ich habe noch nicht probiert.
Nach dem ersten Löffel habe ich Bilder im Kopf von der Nudelsuppe, die meine Mutter kochte, von Postkarten, die ich aus Vietnam bekam, von Marktständen, von Gewürzläden, von meiner WG Küche, die ich mit Chinesen teilte. Die Suppe ist heiß, würzig, kräftig, frisch, säuerlich, etwas scharf, vollmundig. Sie ist einfach alles.

Auf dem Heimweg lächle ich wie ein Buddah vor mich hin. Betrachte wohlwollend all, die Dinge, die feilgeboten werden. In mir ist die Pho sie wirkt, sie stimmt mich milde, sie macht mich freundlich. Geschmeidig schlängeln wir uns durch die Menschen, glücklich ob unserer Entdeckung.

Monate später will ich die Suppe nachkochen. Meine Kochbücher geben nichts her, ich schaue im Internet. Hühnersuppe kochen wie immer, dann bisschen Sojasauce, Koriander und Thai-Basilikum verwenden. Das kann es nicht sein. Die Suppe hatte doch viel mehr Schichten. Sie kann niemals in einer halben Stunde fertig sein. Ich suche weiter und finde das Rezept, das Ihr nun unter „Kochen und Essen“ findet.
Ich war noch nie in Vietnam, weiß nicht ob es ein arger Stilbruch ist, wenn man die Suppe mit Huhn kocht, aber ich denke das Schichten der Aromen, so wie es in diesem Rezept vorgesehen ist, belohnt einem mit einem besonderen Genuss.

Das Rezept gibt es unter: Kochen und Essen

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