Ziegenkäse auf einem Glasplateau

Der Verkäufer sieht aus wie eine Kreuzung aus Mark Foster und Tick, Trick und Track. Sein Bart ist so gepflegt, dass man fast auf eine extremistische Neigung schließen könnte. Mit wachem Blick steht er hinter der Käsetheke. Theke? Nein, Vitrine! Die verschiedenen Käse sind auf unterschiedlich hohen Plateaus angerichtet. Bei jedem Käse steht der Name und ein QR Code.

„Hi, hast Du eine Scanner App auf Deinem Smartphone?“
Sehe ich aus, als hätte ich das nicht?
Ich ziehe mein Smartphone aus der Tasche, fege das graue Haar vom Display und scanne den Ziegenkäse.

Der Käse stammt von den Ziegen, welche in gerader Linie Nachfahren der Ziegen des Dalai Lama sind, natürlich vor der Invasion der Chinesen. Sie bewohnen einen Stall, der nach anthroposophischen Grundsätzen nach den Gestirnen ausgerichtet ist, unter zu Hilfenahme eines Sextanten, den schon Marco Polo im Gepäck hatte.

Ihr Fell wird mit Bürsten einer Schwarzwälder Manufaktur gestriegelt, während ein Barde Hirtenlieder singt und auf einer kurdischen Geige dazu spielt. Seine Vorfahren brachten in der Mongolei Kamele zum Weinen und im osmanischen Reich Sultane zum Lachen.

Die Ziegen werden von mit Bio-Arganöl gepflegten Händen rhythmisch gemolken. Danach wird die Milch erwärmt und mit einer Kultur versetzt, welche aus einer Grabbeigabe im alten Ägypten stammt und wieder belebt wurde. Zur Sicherheit hat ein venusischer Heiler die Bakterien vom eventuellen Fluch der Pharaonen befreit.

Die Käse reifen anschließend in recycelten Bronzegefäßen in einer Höhle, deren Wände von kultischen Zeichnungen einer matriarchalen Kultur bedeckt sind. Nach einer Reifezeit von exakt 56,3 Stunden werden die Käse von einer Integrations-Initiative in mit Mikroorganismen geimpfte, kompostierbare Käseleinen verpackt.

Ich schaue von meinem Display auf und deute auf den Käse:
„Ja, ich will von diesem Käse!“

Tick, Trick, oder Track nimmt ihn aus der Vitrine, legt ihn auf die Waage.
„Macht 19,43 Euro!“ „Es sind immerhin 42 g von diesem seltenen Ziegenkäse“, versucht er mir die eventuelle Reue meiner Entscheidung zu nehmen.

Ich tausche einen 20 Euro Schein gegen den Käse ein und verlasse den Laden.

Ob der Käse geschmeckt hat?

Weiß ich nicht.

Die Dose Schältomaten in meiner Einkaufstasche drückte auf den Ziegenkäse. Er quoll durch das kompostierbare Leinen.

Ziegenkäse von Vorne auf Tableau

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