Waffeln in drei Phasen, die zweite Phase

1. Phase:

Waffeln! Es ist alles da für das neue Rezept. Schließlich möchte ich so stylish frühstücken wie die Fotografinnen in meinem Instagram Account. Das yummy Ergebnis mit den maple syrup drizzled waffles with strawberries, natürlich alles organic und local grown, sollte dann auch online gehen.

2. Phase:

Backen! Es riecht gut, kleine Dampfwölkchen steigen vom Waffeleisen auf. Der Deckel des Eisens hebt sich nicht. Mal sehen. Gegen leichten Widerstand kann ich das Eisen öffnen und es entlässt die erste braun gebackene Waffel. Schnell kommt sie auf ein Gitter, das Eisen wird mit der nächsten Kelle Teig gefüttert und wieder zugedrückt.

Auch dieses Mal hebt sich der Deckel nicht. Er lässt sich gegen Widerstand öffnen: Die Waffel hat sich geteilt, ein Teil klebt unten, ein Teil klebt oben. Na, ja. Mit etwas Geschick, einer Gabel und der Angst, dass mir der heiße Deckel auf die Finger fallen könnte, löse ich die Hälften.

Ich bemerke, dass der Teig kein Fett enthält. Flugs rühre ich einen Löffel Pistazienöl unter den Teig, fülle ihn in das Eisen und warte. Es duftet nussiger als die vorigen Male, aber auch diese Waffel klammert sich am Eisen fest. Energischer als zuvor löse ich sie in kleinen Stückchen ab.

Beim Blick auf das Rezept, kommt mir in den Sinn, dass ein Eigelb – das eigentlich gar nicht vorgesehen ist – die Backeigenschaft des Teigs entscheidend verbessern könnte. Schnell ist das Eigelb untergerührt, der nächste Klacks Teig auf dem Eisen und kaum geschlossen beginnt sich der Deckel, wie es sein soll, zu heben. Mit Freude warte ich bis die Waffel fertig ist, denn ein schönes Exemplar reicht schließlich für das Instagram Foto.

Es gibt kein Foto. Die Waffel hat sich in eine fraktale Struktur – so würde es wohl ein Mathematiker formulieren – verwandelt, die sich mit dem Eisen verbunden hat. Waffelsplitter schlittern über die Arbeitsplatte, das einzige schöne Herz auf dem Gitter wird mit Krümeln besudelt. Halbfester Teig klebt außen am Waffeleisen, die verbliebenen Reste werden immer dunkler, dabei riecht es nach geröstetem in der Küche. Ich breche ab. Kein Foto heute.

3. Phase:

Putzen! Geduldig löse ich mit einem Pinsel die Krümel vom Eisen. Sie verteilen sich dabei sommersprossig über die gesamte Arbeitsfläche samt dem Küchenboden. Ich fege alles zusammen, falte ein nasses Papiertuch, das ich dann zwischen das Eisen klemme, in der Hoffnung, dass die Brösel aufgeweicht weniger störrisch sind. Drei Stunden später hat das Papiertuch die Farbe von Milchschaum auf einem Cappuccino angenommen. Ich wische mit dem Tuch behutsam über das Metall, was eine Brösel-Papier-Fasermischung entstehen lässt, die man unter großem Druck und Hitze bestimmt in einen organic coffee-to-go Becher verwandeln könnte. Ich fege wieder alles zusammen, dann schließe ich das Waffeleisen, mit der Absicht, es am anderen Tag endgültig zu reinigen.

Am nächsten Morgen heize ich das Waffeleisen wieder an. Die klebenden Brösel werden kaffeebraun, riechen wie angebrannte Erde, ziehen sich zusammen und lassen endlich das Eisen los. Mit dem Pinsel streiche ich die letzten Krümel ab, die scheinbar erleichtert dem Eisen entkommen zu sein, quer durch die Küche hüpfen.

Ein Rezept für nicht klebende Hirse Waffeln gibt es unter „Kochen und Essen“.

2 comments

  1. D

    Oh mein Gott! Ich liebe Waffeln! Vielen Dank für diesen tollen Beitrag!

  2. J

    Gerne Daniel
    Welcher Wein würde zu nicht zu süßen Waffeln passen, die mit einem Löffel griechischem Joghurt und Granatapfelkernen serviert werden?

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