Wastecooking oder „was kann daraus noch werden“? II

Ich frage mich, ob „Wastecooking“ ein positiver Begriff ist? Auf den ersten Blick eigentlich nicht. Müll, Weggeworfenes kochen? Hm … „Dank kochen nicht weg geworfen“ wäre vielleicht besser…

Im September gebe ich bei der VHS Schopfheim einen Kochkurs mit dem Titel „Spontanes Kochen mit Überraschungs-Zutaten“.
Was es gibt? Also kein Fleisch und kein Fisch. Das ist schon sicher. Und wir steigen auch nicht durch Container, um unsere Zutaten zu bekommen. Ich kaufe die Grundzutaten ein und Ihr könnt das mitbringen, was schon lange bei Euch im Schrank steht, von dem Ihr nicht genau wisst, wie man es verwenden kann.
Es kam als Souvenir zu Euch oder als Dankeschön fürs Blumen gießen von der Nachbarin. Falls Sie Euch fragt: Und, was habt Ihr aus der Guaven-Paste gemacht? werdet Ihr eine Antwort haben…

Marmelade

Früchte, die sehr reif sind und nicht mehr roh gegessen werden, kann man putzen, kleinschneiden und nach belieben mit Zucker oder Gelierzucker zu Marmelade verkochen. Ein Beispiel dafür ist die Ananas Marmelade.

Kompott

Eine Portion Kompott, besonders Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche oder Heidelbeeren,  kannst Du ohne Saft pürieren und mit Haferflocken mischen. Über Nacht kommt die Mischung in den Kühlschrank und morgens mit etwas Joghurt und Nüssen bestreut ist es das perfekte schnelle Frühstück.

Käse

Eine kleine Menge geriebener Käse ist ein gutes „Gewürz“, das Hackfleisch – oder Gemüsemischungen einen vollen, aromatischen Geschmack verleiht. Der Käse, am besten Hartkäse, gibt dem Geschmack mehr „Tiefe“.

Blog Jutta Hofmann

Spontanes Kochen mit Überraschungs-Zutaten
Kurs: 17H3.07114
Kosten: 22,00 Euro, zusätzlich 9,00 Euro für Lebensmittel, die am Kursabend zu bezahlen sind

21. September 2017
Von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr in der Lehrküche der Friedrich-Ebert-Schule
Roggenbachstraße 11, 79650 Schopfheim

Ich freue mich auf Euch!

DER KURS WURDE ABGESAGT!

Urlaubs Blues

Kennt Ihr das? Den Urlaubs Blues?

Ihr möchtet im Büro Termine absprechen und dann kommen solche Antworten per Mail zurück:

  • Bin in Kanada. Melde mich, wenn ich zurück bin.
    Von meinem iphone gesendet.
  • Redaktionsschluss ist vorverlegt, weil ich 4 Wochen nach Kroatien fahre.
  • Termine erst in 14 Tagen nach meinem Urlaub an der Amalfi Küste möglich.

Du hockst im Büro. Vor Dir der Bildschirm, links von Dir die Ablagekörbchen, im Nebenzimmer die Dose mit den Keksen von Aldi.

Daheim ist es nicht besser: Whatsapp Profilbilder aus Korsika, Südfrankreich, Urlaub an der Ostsee oder in Cornwall….

Da kommt der fiese Neid: Alle haben Urlaub, nur ich nicht!
Im Hinterkopf echot der Satz einer Kundin: „Wenn Sie es nicht organisiert bekommen frei zu haben, dann sind Sie selbst Schuld“. (Ich mache gerade die Urlaubsvertretung für die Kollegin ….)

Dann kannst Du wählen: Entweder mürrisch bleiben oder selbst aktiv werden!

Kissen und Decken

Pillow Bars – „Kissen Bars“ – gibt es in guten Hotels und daheim! Das eine oder andere ungenutzte Kissen macht das Bett bequemer: Zum Füße hochlegen, den Kopf stützen beim Lesen….

Blumen

kommen besonders da zur Geltung, wo meist keine Blumen stehen: Auf dem Nachtisch, am Waschbecken, im Flur (= heimische Empfangshalle). Das können Wiesenblumen sein oder ein Strauß von der Tankstelle, der in drei Vasen aufgeteilt wird.

Early Morning Tea

Es lohnt sich abends den Lieblingstee zuzubereiten, in eine Thermoskanne zu füllen und zusammen mit einer Tasse ans Bett stellen. Morgens nach dem Aufwachen hat man den Luxus bequem eine Tasse Tee im Bett zu genießen und die Blumen auf dem Nachtisch zu betrachten.

Kleidung

Vor dem Kleiderschrank die Überlegung: Was würde ich anziehen, wenn ich jetzt weg im Urlaub wäre? Also die luftige Bluse, die Ohrringe, die etwas mehr Bling haben und die Sandalen (Falls es kalt ist, retten eben die Ohrringe die Situation).

Einkaufen

Es bereitet wenig Aufwand einen anderen Supermarkt, Bäcker oder Metzger wie gewöhnlich besuchen. Die Waren sind anders angeordnet, anders gewürzt oder geformt und schon sind andere Lebensmittel wie sonst im Einkaufskorb. Noch schöner ist es, den Markt im Nachbarort zu besuchen.

Zeitschriften

Bahnhofsbuchhandlungen bieten eine Fülle von Zeitschriften, die wiederum eine Fülle von Inspiration bereit halten: FOGS, die Dame, Salon …
Zeitschriften bieten einen „Instant-Abstand“ vom Alltag und können nachhaltig beeinflussen. Einfach mal ein anderes Heft kaufen!

Platzwechsel

Es tut gut vom gewöhnlichen Pfad abzuweichen: Die neue Zeitschrift im örtlichen Park lesen, an einem Springbrunnen sitzen, in einem Café sitzen, das man sonst nie besucht, oder einen anderen Weg wie gewöhnlich ins Büro wählen.

Den Essplatz wechseln

Zum Beispiel: Das Frühstück auf ein Tablett stellen und auf dem Balkon, im Bett oder im Wohnzimmer an der Sonne frühstücken. Die Mittagspause nicht im Büro, sondern auf einer Bank in der Nähe zubringen. Das Abendessen draußen genießen auf einer Picknickdecke oder wenn es regnet, die Decke auf dem Wohnzimmer Teppich ausbreiten….

Nachrichten

Das ist nun die schwierigste Übung: Auf Nachrichten verzichten! Keine Fernsehnachrichten, keine Push-Nachrichten auf das Smartphone, keine Zeitung lesen, nicht auf die Startseite vom Mail Provider schauen, keine Radio-Nachrichten hören und auch nicht vor dem Schaufenster der Lokalzeitung stehen bleiben!

Blog Jutta Hofmann

Macht Euch keinen Stress, den haben die anderen vielleicht im Urlaub: Tagesausflug schon ausgebucht, keine Brötchen mehr am Buffet, weil zu lange geschlafen, Kamera vergessen….

Probiert aus, was Euch gefällt, was Euren Urlaubs Blues vertreibt …
Macht es auch, wenn die anderen schon längst aus dem Urlaub zurück sind.

Gin – auf Reisen entdecken

Cafe Pollux, Amsterdam

„Wir müssen da hin, ins Café Pollux, unbedingt. Wir können dort auch übernachten“, meinem Mann ist das sehr ernst.
Wir sind gerade dabei eine Reise nach Amsterdam zu planen.

Ich suche das Café im Internet und tatsächlich nach über 30 Jahren gibt es das Pollux noch.
„Schau nach den Zimmern!“, fordert mich mein Mann auf, „Dort haben wir mal vom Fenster aus mitbekommen, wie es einen Wohnwagen auf der Kreuzung vor dem Café zerlegt hat“.
Im Schwarzwald wäre es dem holländischen Fahrzeuglenker vermutlich nicht passiert, denke ich für mich.
Das Café bietet keine Zimmer an, sage ich.
„Aber wir haben dort immer übernachtet!“, mein Mann schaut mich entrüstet an.

Vier Wochen später sitzen wir auf dem Holzdeck am Teich des Hotels und frühstücken. Es ist warm, Seerosen blühen, blauer Himmel, Enten landen auf dem Wasserbecken. Das ist Amsterdam irgendwo zwischen Altstadt und Flughafen.
Heute gehen wir ins Pollux!
Der Plan steht schon beim Frühstück. Während andere mit dem Bädecker sitzen und diskutieren, durch Apps scrollen und die Beschreibung der Amsterdam Card lesen, um möglichst viel davon zu profitieren, ist bei uns alles klar.

Wir fahren mit der Tram in die Innenstadt, laufen die Grachten entlang, stöbern durch Second-Hand Shops, essen indonesisch, schlendern weiter zum Bahnhof, fahren auf das Dach von NEMO,  genießen dort oben die Wärme, essen noch ein Sandwich und nähern uns immer mehr dem Pollux.

Mein Mann findet es auf Anhieb wieder.  Innen ist es dunkel. Die ovale Theke in der Mitte taucht aus dem Dämmerlicht auf. Die Spirituosen im schwach beleuchteten Regal sehen gut aus. Wir setzen uns an ein Tischchen in einer Fensternische, sehen uns im Spiegel gegenüber, um den ein violetter Lichtschlauch hängt. Rote und türkise Lichterketten geben dem Raum Struktur. Es gibt noch eine Mini Bühne, die rings umlaufende Bank ist mit Kelims und Schaffellen belegt. Die Polster, wenn vorhanden, sind in einem ausgebleichten rot. In diesem Raum ist die Essenz von Tangerine Dream, Pink Floyd, Jimi Hendricks….
Der freundliche Barkeeper fragt uns was wir gerne hätten.
Gin-Tonic
Mit seinem sehr holländisch gefärbten englisch stellt er mir ganz viele Fragen. Ich vermute, er zählt verschiedene Gin´s auf.
Hendrick´s, sage ich. Es ist der einzige Name, den ich mir in der Aufzählung merken kann.
Er zählt mir mindestens drei Tonic auf
Fever Tree, sage ich. Das schien mir zum verwegenen Ambiente der Bar zu passen.
With Cucumber?
Yes!
Hä?
Mein Mann fragt, wieso der Barmann so viele Fragen hatte, wir wollten doch nur einen Gin-Tonic und was ich denn jetzt bestellt hätte.
Hendricks Gin mit Fever Tree Tonic und Gurke.
Gurke?
Ja, Gurke.

Wir schauen die Wände an. Mein Mann hat ein kleines Tief. Es ist ein anderer Barkeeper, wie vor 30 Jahren, ein anderer Gin-Tonic und es gibt keine Zimmer mehr, weil diese vor längerer Zeit ausgebrannt sind.

Der Barkeeper bringt uns die Longdrinks. Sie duften frisch nach Gurke. Der Geschmack ist würzig, leicht blumig und das Auge freut sich an der Gurke.

„Hier gab es schon immer gute Drinks“, sagt mein Mann und lehnt sich nach dem ersten Schluck zufrieden zurück.

Casabela, Ferragudo, Portugal

Wir haben Lust auf einen Gin Tonic! Die Hotelbar ist klein, hat einen knuffigen Balkon, von dem man auf die Flussmündung schauen kann, auf der sich Yachten mit ihren Positionslichtern erahnen lassen und Dieselmotoren kleine Fischerboote auf die offene See hinausschieben.  Mittlerweile schon etwas verwöhnt von Hendrick´s, Bulldog, Brockmans, Whitley Neill, Iris Dry Gin,  Monkey 47… waren wir nicht so begeistert Gordon´s Gin zu sehen, bestellten aber trotzdem je einen Gin Tonic.

Ein bisschen ermattet von der Wärme und dem Abendessen blickten wir schweigend in den Nachthimmel. Leises klirren kündigte unsere Getränke an.
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Ein Tablett mit zwei Ballongläser, halb gefüllt mit Eiswürfeln, Orangenscheiben, Zitronenscheiben, Zimtstange, roten Pfefferkörnern wird zwischen uns gestellt. Gin ist hoffentlich auch drin, dachte ich. Am Tisch goss die Barkeeperin die Hälfte des Tonic Fläschchens in die Ballongläser.

Ein bisschen irritiert rührten wir mit den kurzen Strohhalmen durch die Obst-Eis-Gewürz-Mischung. Das Tonic prickelte uns an. Ein Schluck und ahhhhhhhhhhhhh!

Orangen-fruchtig, zitronig-sauer, zimtig-warm, pfeffer-würzig, wacholderig, etwas bitter, etwas süß, legt sich der Schluck Gin-Tonic in den Mund und rutscht dann erfrischend durch den Hals. Das ist mit Gordon´s? Was haben wir bestellt? Wir schauen in der Karte: Dort gibt es nur Gin Tonic, verschiedene Portweine, und ein paar Whiskeys,
Andere Länder, andere Gin Tonic Sitten! Wir sind begeistert! So schön, so farbig, so fruchtig!

Bar Saint Tropez, Panorama Hotel, Freiburg

Es ist Montag und wir sitzen in der Bar des Panorama Hotel in Freiburg. Sofort ist klar, Gin Tonic. Mein Mann nimmt den geliebten Hendrick´s und ich suche mir einen aus, den ich noch nicht kenne. „Iris“ ein Schwarzwald Gin von einer Frau gebrannt. Das sind  zwei Argumente diesen Gin zu wählen. Es gibt wenig Frauen, die sich einen Namen als Brennerin gemacht haben. Ich erinnere mich, wie ich als 8-jährige auf dem Land bei einem entfernten Onkel zuschaute, wie Schnaps gebrannt wurde. Wir fuhren von dem winzigen Weiler, irgendwo zwischen Friedrichshafen und Kressbronn gelegen, nach St. Gallen.  Das Ziel war eine Apotheke, wo der Bauer seine Kräutermischung für den Schnaps kaufte. Ein Eis und die Schifffahrt über den Bodensee machten für mich als Kind die Einkaufsfahrt perfekt.
Vom Schnaps brennen bekam ich wenig mit. Der Hofhund war vollkommen außer sich, wenn zweimal am Tag der Zollbeamte kam. Ich durfte nicht zu nahe an die Brennblase und musste aufpassen, dass die Hühner später nicht von der heißen Maische fraßen…
Zurück zu „Iris Dry Gin“. Wir überzeugten, die Barkeeperin Ballongläser für den Gin Tonic zu nehmen und schnell standen sie vor uns. Und, wie ist er?
„Sehr fein, nach Lavendel duftend, aber nicht wie ein Wäschesäckchen, und – probier einfach selbst!“ Ich schiebe meinem Mann das Glas hin.

Blog Jutta Hofmann

Die Gin Neugierde ist noch lange nicht gestillt:

Das Buch „Deutscher Gin“ herausgegeben von Michael Kern, eignet sich wunderbar eine Gin Wunschliste aufzustellen. Tee, Kerbel, Minze, Aromahopfen, Quitten – es scheint kein Kraut zu geben, welches für die Gin-Kreateure nicht zu einem besonderen Brand verarbeitet werden kann.

Muschel-Liebe

Muschel-Liebe

Woher kommt meine Muschel-Liebe? Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Ich arbeitete in einer Restaurantküche, die eines Tages Miesmuscheln mit Wurzelgemüse und Noilly Prat Sauce gratiniert auf der Karte hatte.
Ich wurde auserwählt die Muscheln zu kontrollieren und zu waschen. Es war das erste Mal, dass ich Miesmuscheln sah.
„Die kaputten Muscheln aussortieren, die offenen auf der Arbeitsplatte aufschlagen/klopfen und liegen lassen. Wenn sie sich schließen, dann sind sie noch gut, wenn nicht, dann ebenfalls aussortieren.“
Das war die klare Ansage. Ich sortierte, klopfte, beobachtete die Schalentiere, bis alle Guten in den großen Topf wanderten. Im Hinterkopf hatte ich stets, wie gefährlich Muschelvergiftungen sind, und gab wirklich mein Bestes. Die Vorspeise wurde oft bestellt: Ausgelöstes Miesmuscheln mit feinen Streifen von Karotten, Sellerie, Lauch und Petersilienwurzeln in einer Sahne Sauce, die mit Noilly Prat, dem Zaubermittel für jede Sauce zu Fisch, abgeschmeckt wurde, bei Oberhitze kurz überbacken, so dass die Sauce gold-braune Flecken bekam, die einen karamellig-röstigen Geschmack hatten.
Abends im Bett kroch der Gedanke, dass ich tote, verdorbene Muscheln übersehen hatte, in meinen Kopf. Ich war dann gar nicht mehr so sicher, ob ich überhaupt richtig herum sortiert hatte. Ob nicht doch die geschlossenen weg müssten….
Ich steigerte mich so in diesen Gedanken, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. In meiner Verzweiflung blätterte ich in meinen Kochzeitschriften, in der Hoffnung irgendwo etwas über diese komplizierten Tiere herauszufinden. Am anderen Morgen ging es wieder weiter mit sortieren und klopfen…. Bis heute kam keine Reklamation…

Montpellier

Ein Jahr später hatte ich mein Studium begonnen und war im Sommer zum Sprachkurs in Montpellier. Wir unternahmen mit unserem Prof einen Ausflug zum Bassin de Thau. Dort gibt es viele Muschel- und Austernzüchter. Wir waren bei einem angemeldet und wurden zunächst in kleine Gruppen auf flache Boote verteilt. Was uns damals erzählt wurde weiß ich leider nicht mehr, um so besser kann ich mich an das anschließende gemeinsame Essen erinnern. Es gab Weißwein, Austern, die mich damals gar nicht interessierten und: Miesmuscheln.

Als wir beim Muschelzüchter ankamen, brannte nahe am Ufer bereits ein Feuer, bis wir von unserer Bootsfahrt zurückkamen, schoben zwei Franzosen mit Schaufeln die Glut auseinander. In die Glut legten sie eine ausgediente Motorhaube. Schnell hatte sie die Hitze angenommen, dann wurden zwei große Eimer mit Muscheln auf die Motorhaube gekippt und mit einem Rechen flach verteilt. In windeseile öffneten sich die Muscheln, die vorher weder von mir noch von sonst irgendjemanden vorsortiert wurden. Als alle offen waren wurde die Motorhaube aus der Glut gehoben und auf einen Betonsockel gehieft: Der Tisch war mit Muscheln gedeckt. Sie waren sehr gut: salzig, röstig, süß und sie hatten den Geschmack des Meeres.

War die Zubereitung wirklich so einfach? Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, denn es gibt auch eine Variante in der die Muscheln mit einer nassen Zeitung bedeckt werden, Stroh darüber gepackt wird und dann wird alles angezündet…. Dieses Rezept taugt auf jeden Fall nicht für den Balkon einer Mietswohnung. Auch die erste Variante mit der Motorhaube probierte ich daheim nicht aus, denn der Familien Renault 12 brauchte seine Haube noch.

La Rochelle

Fast zwanzig Jahre später verbrachten wir die Sommerferien auf einem Camping Platz nahe von La Rochelle in der Charente Maritime. Wir fuhren an der Küste entlang und sahen die Schilder „Moule frites“. „Moule Frites“? Moule Muscheln war klar, aber frites. Waren da Fritten gemeint oder wurden die Muscheln fritiert?
Wir hatten Hunger und hielten an. Schnell waren drei Mal moules frites bestellt und kurze Zeit später standen drei schwarze Kochtöpfe mit volumigem Deckel vor uns, dazu kam noch eine große Schüssel mit Pommes, drei verpackte Handwasch-Zitronen-Tüchlein noch obendrein. Wir waren hin und weg. Keine Gedanken mehr an das Muschel auf-zu, keine Gedanken mehr an eventuelle Vergiftungen. Wir spielten mit den Füßen im Sand und den Händen im Topf. Als die Töpfe leer und die Deckel voll mit Schalen waren, fragte ich den Patron nach dem Rezept für die Sauce. „Du vin, du persil, des oignons“. Ich glaubte ihm nicht. Ich war mir sicher, dass er mir als Touristin etwas verschwieg, denn sonst könnte ja jede solche Muscheln zubereiten.

Es ließ uns nicht los. Zwei Tage später kauften wir auf dem Markt zwei Kilogramm Muscheln und bei Casino Wein, Zwiebeln und Petersilie. Zurück auf dem Camping Platz stellten wir fest, dass unser einziger Topf viel zu klein war. In drei Etappen kochten wir die Muscheln, schwelgten und stellten fest, dass uns der Patron wohl nichts verschwiegen hatte. Würzig, nach Meer duftend, süßlich, salzig….

Portimao

Dieses schlichte Rezept lässt sich noch mehr reduzieren stellten wir vergangenes Jahr an der Algarve fest: Wilde Miesmuscheln wurden im Steamer kurz mit einem frischen Zweig Koriander gegart. Sehr reduziert, sehr delikat!

Bei mir auf dem Speiseplan standen nun Moules frites revisitées! Frei übersetzt: Erneuerte Miesmuscheln mit Pommes.

In den Sud kam neben Zwiebeln auch frischer Ingwer. Die Kartoffeln wurden nicht frittiert, sondern mit Olivenöl und grobem Meersalz gewürzt und dann im Backofen gebacken.

Saudi food with Eman

„Saudi food with Eman“ – Klassische saudische Küche mit Eman habe ich beim Schmökern auf Instagram – #saudifoodwitheman – entdeckt. Begeisternd in sehr verständlichem Englisch teilt sie auf Instagram kurze Filmsequenzen mit Straßenszenen, Restaurants, Einkaufszentren in Riyadh oder in anderen Städten und natürlich ihre Küche mit uns. Es ist kein Auslandsjournal, sondern Emans Inlandsjournal.

Eman sagt über sich selbst:  I am a Saudi female lady amateur chef that cooks authentic quick Middle Eastern dishes. The authentic Arabic Food with Arabic ingredients in our everyday lives. Some of our dishes are fused with other Arab & Non-Arab countries.

Ihre Gewürzmischung verwende ich sehr gerne für Gerichte mit Lamm, Reh oder Damwild. Das Rezept stammt von ihrem youtube channel

SAUDI SPICES RECIPE:

Ingredients:
2 TBSP CORRIANDER SEEDS
1 TBSP CINNAMON STICKS
1 TBSP CUMIN SEEDS
1 TSP CLOVES
1 TSP TURMERIC POWDER
1 TBSP CARDAMON PODS
1 DRIED LEMON

Recipe:
1) Put a pan on medium high heat, and roast for 10 to 15 min till the spices get light brown and you start smelling the aroma.
2) Let it cool down and blend it in a coffee blender till all smootj.
3) Strain the spices and add it in a glass jar for future use.

Schnell mal backen

Ich muss es sofort ausprobieren, das Rezept! Nur im Augenwinkel habe ich es beim flotten Durchblättern der Zeitschrift gesehen, aber ich weiß sofort: Diesen Kuchen will ich heute zum Kaffee haben. Schnell mal backen…

Schokoladen Napfkuchen mit Kaki Fruchtmus. Seit einer Woche liegen zwei Kaki Früchte in meiner Obstschale. Die Kaki Früchte habe ich gekauft,
weil sie so schön orange sind,
weil ich mich überzeugen wollte, ob sie wirklich nicht schmecken,
weil ich plötzlich ganz viele Bilder mit Kakis in meinem Instagram Account hatte.

Kommt es mir mehr auf das Rezepte ausprobieren oder das Essen an? Ich weiß es nicht. Alles was dazu beiträgt, dass sich meine Tafel von anderen Tafeln abhebt, ist mir willkommen. Bloß nicht das essen was alle essen: Keine Backmischung, kein Fertiggericht. Mich treibt die Neugierde und der Drang anders sein zu wollen an.

Manchmal laufe ich an den Regalen mit Fertiggerichten entlang und lasse mich inspirieren. Das ist so ein bisschen, wie wenn man über einen Friedhof geht, um originelle Namen zu lesen.
Ich nutze die Regale als begehbare Speisekarte, wenn ich im Laden nicht weiß, was ich für die nächsten Mahlzeiten einkaufen soll. Die bunten Bilder auf den Verpackungen zeigen den Inhalt von seiner allerbesten Seite – so wie ich ihn selbst nie auf dem eigenen Teller sehen würde und haben wollte.

Vier Stunden später bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der Kuchen steht auf dem Tisch, jeder hat schon einen Bissen genommen und nickt zustimmend. Ob ich ihn wieder backe?

Wohl kaum, denn ich habe mir heute ein Backbuch gekauft und will als erstes das Quinoa Krokant ausprobieren. Quinoa hatte ich gestern aus dem Korb mit den ausgemusterten Produkten an der Kasse vom Supermarkt gefischt. Ich wollte ausprobieren, ob das Getreide auch schmecken kann…..

Da fällt mir ein, dass es am Oliven Stand auf dem Wochenmarkt auch getrocknete Ananas gibt. War da nicht ein Rezept mit Ananas und Kokosnuss in meinem neuen Buch … ?

Quinoa Krokant und Ananas-Kokos Kugeln stammen aus „Süß und Gesund Weihnachten“ von Stefanie Reeb, erschienen bei Knaur-Balance. Aktuelles von ihr gibt es auf ihrer Internet Präsenz „Wellcuisine“.

Schnell mal Backen mit dem Buch "Süss und Gesund"

Eine Fahrt nach Frankreich

Es ist Donnerstag Nachmittag. Wir fahren ziemlich hektisch in Richtung französische Grenze. Es sitzen uns ein Büro, Schweißzusatzwerkstoffe und ein grantiger Werkstattmeister im Nacken.
Über dem Rhein sieht die Welt besser aus. Die Wasserstraße ist in der Lage all das unerfreuliche von uns fern zu halten.
Wir haben keinen Plan wohin, sondern biegen in den Dörfern auf das geradewohl ab. Fachwerkhäuser in vielen Farben lenken den Blick auf sich: Lavendelblau, Milka-Lila, Rosa, Anisgrün oder noch schöner Vert l´aneth, Ochsenblutrot, Grau, Pastis-farben, Himmelblau, Safrangelb oder vor 50 Jahren einmal weiß gewesenes Weiß.
Es werden weniger Dörfer, die Straße klettert die Hügel am Fuße der Vogesen hoch. Wir fahren durch kühle Laubwälder, kommen schneller als gedacht über die Baumgrenze und auf der anderen Seite wieder runter. Ich bekomme als erstes Hunger. Die Zeit des Reiseführers ist gekommen.

Ich wähle für uns eine Auberge außerhalb eines kleinen Weilers als Bleibe für die nächsten Tage. Mühelos finden wir den Weg. Die Straße wird zum Sträßchen, zum Schleichweg und schließlich zum Feldweg, der entlang eines Laubwalds führt. Ich sehe uns schon auf bemoosten Holzstühlen im Garten der Auberge sitzen, nichts als ein Tisch mit zwei Gläsern Crémant d´Alsace und einer Terrine de Campagne zwischen uns. Zum Hauptgang Saibling aus einem der vielen Teiche, an denen wir vorbei gefahren sind, und zum Dessert eine Tarte au myrtille mit einer Kugel glace à la vanille fait à la maison. Die Einheit wäre kurz unterbrochen durch einen petit café auf der einen und einem eau de vie vielle prune auf der anderen Seite, danach würden wir in die hoffentlich nicht zu weichen Betten sinken – ohne Geschirr zwischen uns.

„Es gibt keinen freien Parkplatz mehr!“. Mein Mann bremst abrupt. Wir passen mit unserem Auto gerade noch zwischen Wohnmobile, Spriner, Ducatos und – es gibt sie tatsächlich noch – Ford Transits. Wir sind sozusagen der Bouchon, der Korken, auf dem Flaschenhals des Parkplatzes vor der Auberge.
„Steig aus und frage, ob noch etwas frei ist. Ich warte im Auto“.
Ich gehe an den bunt beklebten Fahrzeugen aus Belgien, Holland und Luxemburg vorbei zum Eingang. Die Freiräume zwischen den Fahrzeugen sind mit Rennrädern aufgefüllt.

Désolée, meint Francine an der Rezeption, ob ich denn nicht wüsste, dass dies das Wochenende des traditionellen Radrennens sei und alles im Umkreis von 50 km sei occuppé. Sie wünscht mir noch bonne chance. Mein Mann ist nicht enchanté und erklärt mir, dass er keine Lust hat, jetzt noch so weit zu fahren. Wir holpern zurück in die Zivilisation, fahren durch Orte ohne Auberge, ohne Bed & Breakfast, ohne Hotel.

„Formule un“ gibt es in allen größeren Orten, höre ich mich sagen. Montbelliard oder Socheaux.
„Ich mag keine Hotels“, knurrt mein Mann. Seiner Stimme höre ich an, dass er Kohldampf schiebt. Vor uns kommt eine Ortschaft in Sicht. Mein Mann biegt flott links ab und wir stehen auf dem staubigen Parkplatz des „Auberge de la Terrasse“ am Ortseingang von Villersexel.
„Das ist auch ein Hotel!“ Mein Einwand wird nicht gehört.
„Da übernachten wir jetzt“, schon ist er ausgestiegen.
„Du wolltest doch in kein Hotel?!“. Ich höre die Kofferraumklappe zuschlagen.

Wir bekommen ohne Problem ein Doppelzimmer. Es ist sehr geräumig, hell und gut gelüftet. Die Möbel sind gepflegt antik und auf der Tapete sind duftige Farnranken aufgeprägt. Très jolie! Das Bad ist sehr groß mit zwei Waschbecken, flauschigen Handtüchern und einer geräumigen Dusche.
„Das Zimmer hat kein WC! Wieso hast Du ein Zimmer mit Toilette auf dem Gang genommen? Das ist doch blöd!“. Mein Mann ist genervt, während ich dachte, das Nicht-null-acht-fuchzehn-Zimmer bringt alles wieder ins Lot.
Er macht im Zimmer alle Schränke auf.
„Das brauchen wir doch alles gar nicht für drei Nächte! Aber ein WC!“. Er macht den letzten schmalen Schrank auf. Nein, wir blicken nicht auf eine Kleiderstange, sondern in einen kleinen Raum, weiß gefliest, mit WC.
„Ich muss dringend“, dränge mich an ihm vorbei, hebe den Deckel, setze mich und will die Tür zu machen, weil ich  für diesen Gang Diskretion schätze. Ich schlage mir die Tür auf die Fußspitzen, ich drehe die Füße beiseite und habe nun die Tür an meinen Knien. Sie geht nicht ins Schloss. Ich muss weiter nach hinten rutschen, halte mich an der Türklinke, damit mein Körper nicht seinem Schwerpunkt folgt.

„Bist du bald fertig?“. Ja, bin ich. Sorgfältig fädle ich mich aus dem Cabinet aus ohne blaue Flecken zu bekommen. Während ich auf dem Bett liege, sehe ich wie die Zehen meines Mannes aus der WC Türe lugen. Er hat sich für eine andere Sitzvariante entschieden.
Wir sind dem Installateur mit dem schlechten Augenmaß dankbar, dass er überhaupt an das WC dachte.

Entspannt sitzen wir uns in der Gartenwirtschaft gegenüber. Kein Knie ist durch eine Tür eingeengt. Die Gläser mit Pernod sind schon leer, an der Flasche mit Rosé laufen Wassertropfen hinunter. Vor uns ein Teller mit buntem Blattsalat, Rauke, Minze, Basilikum, Zitronenmelisse, Kirschtomaten-Vierteln, gekochten, halbierten Wachteleiern, confiertem Hühnerfleisch, Parmesan-Locken und gerösteten Sonnenblumenkernen. Die Salatsauce ist mild und erfrischt. Jede Gabel schmeckt anders, mal krautig-salatig, fleischig-salzig, fruchtig-säuerlich, cremig-vollmundig.

Wer den Salat im original genießen will, der bekommt ihn vielleicht noch immer in der: Auberge de la Terrasse

Ob es unser Zimmer noch gibt, weiß ich nicht. Auf der Website sind sehr schöne, neu gestaltete, Zimmer zu sehen.

Durch Basel sitzen

Neulich in Basel wartete ich auf einer Bank, bis ein Geschäft öffnete. Ich hatte Zeit die kleine Grünanlage aufmerksam zu betrachten: Rasen, Bäume, Bänke, Menschen, Licht, Schatten. Da kam mir die Idee, alle Grünanlagen auf dem Weg von Bahnhof SBB zum Badischen Bahnhof abzusitzen.

Elisabethen-Anlage

Eine sorgfältig angelegte geschwungene Rasenflächen mit großen Bäumen; Die Bänke bestehen aus aneinandergereihten Sitzen. Sie schmiegen sich an das leicht hügelige Gelände. Schüler durchqueren die Grünanlage, Menschen warten aufeinander, verbringen die Mittagspause auf den Bänken. Keiner sitzt im Gras. Weil es gerade berieselt wird oder fürchten sich die Menschen, die in den Banken arbeiten vor Grasflecken auf der Kleidung?

Theater Platz

Auf den Stufen sitzen junge Leute, nicht viele. Mir fällt auf, dass es um den Tinguely Brunnen kaum Bänke gibt. War das so vom Künstler gewollt, oder hatte er keinen Einfluss darauf? In der kleinen Grünanlage, etwas tiefer gelegen als der Brunnen, sind alle Bänke belegt. Ich finde keinen freien Platz und möchte nicht ins Unterholz kriechen. Die Bäume sind niedrig und dicht, so hat das Plätzlein etwas von einem Wald, in dem man im Herbst Pfifferlinge finden könnte.

Botanischer Garten der Uni Baselagave

Das ist mein Lieblingsplatz. Das Tropenhaus ist im Winter perfekt, um sich aufzuwärmen.
Abgesehen davon liebe ich es durchzustreifen, denn ich entdecke immer wieder neue Pflanzen, die aber schon immer an ihrem Platz standen. Jetzt im Sommer war ich alleine im Haus. Wer geht schon von der Hitze außen in die schwüle Hitze innen? Ich. Später suche ich mir draußen eine Bank. Es gibt die richtige Mischung aus Licht, Schatten, Bäumen, Sträuchern, Blumen alles wohlgeordnet, aber doch mit einem Hauch von Unordnung. Die Menschen hier machen ihre Pause, ich habe den Eindruck, dass sie sich intensiv unterhalten oder innehalten.

Petersplatz

Der Platz ist dunkel, sehr große Bäume lassen den gesamten Boden im Schatten sein. Wege durchkreuzen den Platz, auf dem Rasen sitzen ist verboten, auf den Bänken sind sehr wenige Menschen. Es ist heiß, aber trotzdem scheint der kühle, tiefe Schatten keine Anziehungskraft zu haben. Der Platz ist schwer. Er hat nicht von der Leichtigkeit und Vielfalt des botanischen Gartens. Er ist kein Hortus für Blumen und Geist. Er ist streng. Was war früher auf dem Petersplatz? Ein Gerichtsplatz? Ich werde mal nachschauen.

Claraplatz

Ist in Kleinbasel. Er hat sehr schöne Beton-gefasste Blumenbeete, viele Bänke um die Beete, von denen sich der sehr belebte Platz beobachten lässt. Ich möchte mich nicht setzen. Ich bin entsetzt über die Menschen hier. Sie sind arm, missgestaltet, Alkoholiker, krank, ausgesetzt, oder sie haben sich selbst durch alle Maschen fallen lassen. Sie sind alleine, in der Gruppe oder zu zweit. Sie sind heruntergekommen oder heruntergefallen. Hier kommen sie ans Licht. Gemeinsam. Es sieht aus, als hätte sie ein mächtiger Besen, von Großbasel kommend über den Rhein gefegt, dort wären sie durcheinander gewirbelt worden, um schließlich auf den Claraplatz zu fallen.

Claramatten

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Der Platz ist groß, mit freundlichem Schatten, ohne Rasen, dafür mit einem großen Wasserbecken für die Kinder. Es gibt einen Kiosk, einen Spieleverleih, Bänke mitten im Getümmel oder Bänke auf der Seite. Ich setze mich auf die Seite. Auf den Bänken abseits sitzen hauptsächlich Männer mit südländischem Aussehen. Sie reden miteinander oder lassen stumm Gebetsperlen durch die Finger gleiten. Beim Wasserbecken sind Kinder alleine oder mit ihren Müttern. Nicht weit entfernt an den Bänken mit Tischen machen kleine Gesellschaften Picknick, es sind keine ursprünglichen Basler, sie sind bunt, lebendig, sie haben nicht das Geld, um in der Gegend mit den wohlgeordneten Sitzen in der Grünanlage zu wohnen, sie haben vermutlich weder Garten noch Balkon.

Am anderen Tag erzählte ich es einer Freundin. Sie fragte mich: Und was macht das für einen Sinn?
Eine Stadt besteht nicht nur aus Geschäften, Sehenswürdigkeiten und Museen. Sie besteht auch aus Plätzen und den Menschen auf diesen Plätzen. Wer sitzt wo warum?