Urlaubs Blues

Kennt Ihr das? Den Urlaubs Blues?

Ihr möchtet im Büro Termine absprechen und dann kommen solche Antworten per Mail zurück:

  • Bin in Kanada. Melde mich, wenn ich zurück bin.
    Von meinem iphone gesendet.
  • Redaktionsschluss ist vorverlegt, weil ich 4 Wochen nach Kroatien fahre.
  • Termine erst in 14 Tagen nach meinem Urlaub an der Amalfi Küste möglich.

Du hockst im Büro. Vor Dir der Bildschirm, links von Dir die Ablagekörbchen, im Nebenzimmer die Dose mit den Keksen von Aldi.

Daheim ist es nicht besser: Whatsapp Profilbilder aus Korsika, Südfrankreich, Urlaub an der Ostsee oder in Cornwall….

Da kommt der fiese Neid: Alle haben Urlaub, nur ich nicht!
Im Hinterkopf echot der Satz einer Kundin: „Wenn Sie es nicht organisiert bekommen frei zu haben, dann sind Sie selbst Schuld“. (Ich mache gerade die Urlaubsvertretung für die Kollegin ….)

Dann kannst Du wählen: Entweder mürrisch bleiben oder selbst aktiv werden!

Kissen und Decken

Pillow Bars – „Kissen Bars“ – gibt es in guten Hotels und daheim! Das eine oder andere ungenutzte Kissen macht das Bett bequemer: Zum Füße hochlegen, den Kopf stützen beim Lesen….

Blumen

kommen besonders da zur Geltung, wo meist keine Blumen stehen: Auf dem Nachtisch, am Waschbecken, im Flur (= heimische Empfangshalle). Das können Wiesenblumen sein oder ein Strauß von der Tankstelle, der in drei Vasen aufgeteilt wird.

Early Morning Tea

Es lohnt sich abends den Lieblingstee zuzubereiten, in eine Thermoskanne zu füllen und zusammen mit einer Tasse ans Bett stellen. Morgens nach dem Aufwachen hat man den Luxus bequem eine Tasse Tee im Bett zu genießen und die Blumen auf dem Nachtisch zu betrachten.

Kleidung

Vor dem Kleiderschrank die Überlegung: Was würde ich anziehen, wenn ich jetzt weg im Urlaub wäre? Also die luftige Bluse, die Ohrringe, die etwas mehr Bling haben und die Sandalen (Falls es kalt ist, retten eben die Ohrringe die Situation).

Einkaufen

Es bereitet wenig Aufwand einen anderen Supermarkt, Bäcker oder Metzger wie gewöhnlich besuchen. Die Waren sind anders angeordnet, anders gewürzt oder geformt und schon sind andere Lebensmittel wie sonst im Einkaufskorb. Noch schöner ist es, den Markt im Nachbarort zu besuchen.

Zeitschriften

Bahnhofsbuchhandlungen bieten eine Fülle von Zeitschriften, die wiederum eine Fülle von Inspiration bereit halten: FOGS, die Dame, Salon …
Zeitschriften bieten einen „Instant-Abstand“ vom Alltag und können nachhaltig beeinflussen. Einfach mal ein anderes Heft kaufen!

Platzwechsel

Es tut gut vom gewöhnlichen Pfad abzuweichen: Die neue Zeitschrift im örtlichen Park lesen, an einem Springbrunnen sitzen, in einem Café sitzen, das man sonst nie besucht, oder einen anderen Weg wie gewöhnlich ins Büro wählen.

Den Essplatz wechseln

Zum Beispiel: Das Frühstück auf ein Tablett stellen und auf dem Balkon, im Bett oder im Wohnzimmer an der Sonne frühstücken. Die Mittagspause nicht im Büro, sondern auf einer Bank in der Nähe zubringen. Das Abendessen draußen genießen auf einer Picknickdecke oder wenn es regnet, die Decke auf dem Wohnzimmer Teppich ausbreiten….

Nachrichten

Das ist nun die schwierigste Übung: Auf Nachrichten verzichten! Keine Fernsehnachrichten, keine Push-Nachrichten auf das Smartphone, keine Zeitung lesen, nicht auf die Startseite vom Mail Provider schauen, keine Radio-Nachrichten hören und auch nicht vor dem Schaufenster der Lokalzeitung stehen bleiben!

Blog Jutta Hofmann

Macht Euch keinen Stress, den haben die anderen vielleicht im Urlaub: Tagesausflug schon ausgebucht, keine Brötchen mehr am Buffet, weil zu lange geschlafen, Kamera vergessen….

Probiert aus, was Euch gefällt, was Euren Urlaubs Blues vertreibt …
Macht es auch, wenn die anderen schon längst aus dem Urlaub zurück sind.

Gin – auf Reisen entdecken

Cafe Pollux, Amsterdam

„Wir müssen da hin, ins Café Pollux, unbedingt. Wir können dort auch übernachten“, meinem Mann ist das sehr ernst.
Wir sind gerade dabei eine Reise nach Amsterdam zu planen.

Ich suche das Café im Internet und tatsächlich nach über 30 Jahren gibt es das Pollux noch.
„Schau nach den Zimmern!“, fordert mich mein Mann auf, „Dort haben wir mal vom Fenster aus mitbekommen, wie es einen Wohnwagen auf der Kreuzung vor dem Café zerlegt hat“.
Im Schwarzwald wäre es dem holländischen Fahrzeuglenker vermutlich nicht passiert, denke ich für mich.
Das Café bietet keine Zimmer an, sage ich.
„Aber wir haben dort immer übernachtet!“, mein Mann schaut mich entrüstet an.

Vier Wochen später sitzen wir auf dem Holzdeck am Teich des Hotels und frühstücken. Es ist warm, Seerosen blühen, blauer Himmel, Enten landen auf dem Wasserbecken. Das ist Amsterdam irgendwo zwischen Altstadt und Flughafen.
Heute gehen wir ins Pollux!
Der Plan steht schon beim Frühstück. Während andere mit dem Bädecker sitzen und diskutieren, durch Apps scrollen und die Beschreibung der Amsterdam Card lesen, um möglichst viel davon zu profitieren, ist bei uns alles klar.

Wir fahren mit der Tram in die Innenstadt, laufen die Grachten entlang, stöbern durch Second-Hand Shops, essen indonesisch, schlendern weiter zum Bahnhof, fahren auf das Dach von NEMO,  genießen dort oben die Wärme, essen noch ein Sandwich und nähern uns immer mehr dem Pollux.

Mein Mann findet es auf Anhieb wieder.  Innen ist es dunkel. Die ovale Theke in der Mitte taucht aus dem Dämmerlicht auf. Die Spirituosen im schwach beleuchteten Regal sehen gut aus. Wir setzen uns an ein Tischchen in einer Fensternische, sehen uns im Spiegel gegenüber, um den ein violetter Lichtschlauch hängt. Rote und türkise Lichterketten geben dem Raum Struktur. Es gibt noch eine Mini Bühne, die rings umlaufende Bank ist mit Kelims und Schaffellen belegt. Die Polster, wenn vorhanden, sind in einem ausgebleichten rot. In diesem Raum ist die Essenz von Tangerine Dream, Pink Floyd, Jimi Hendricks….
Der freundliche Barkeeper fragt uns was wir gerne hätten.
Gin-Tonic
Mit seinem sehr holländisch gefärbten englisch stellt er mir ganz viele Fragen. Ich vermute, er zählt verschiedene Gin´s auf.
Hendrick´s, sage ich. Es ist der einzige Name, den ich mir in der Aufzählung merken kann.
Er zählt mir mindestens drei Tonic auf
Fever Tree, sage ich. Das schien mir zum verwegenen Ambiente der Bar zu passen.
With Cucumber?
Yes!
Hä?
Mein Mann fragt, wieso der Barmann so viele Fragen hatte, wir wollten doch nur einen Gin-Tonic und was ich denn jetzt bestellt hätte.
Hendricks Gin mit Fever Tree Tonic und Gurke.
Gurke?
Ja, Gurke.

Wir schauen die Wände an. Mein Mann hat ein kleines Tief. Es ist ein anderer Barkeeper, wie vor 30 Jahren, ein anderer Gin-Tonic und es gibt keine Zimmer mehr, weil diese vor längerer Zeit ausgebrannt sind.

Der Barkeeper bringt uns die Longdrinks. Sie duften frisch nach Gurke. Der Geschmack ist würzig, leicht blumig und das Auge freut sich an der Gurke.

„Hier gab es schon immer gute Drinks“, sagt mein Mann und lehnt sich nach dem ersten Schluck zufrieden zurück.

Casabela, Ferragudo, Portugal

Wir haben Lust auf einen Gin Tonic! Die Hotelbar ist klein, hat einen knuffigen Balkon, von dem man auf die Flussmündung schauen kann, auf der sich Yachten mit ihren Positionslichtern erahnen lassen und Dieselmotoren kleine Fischerboote auf die offene See hinausschieben.  Mittlerweile schon etwas verwöhnt von Hendrick´s, Bulldog, Brockmans, Whitley Neill, Iris Dry Gin,  Monkey 47… waren wir nicht so begeistert Gordon´s Gin zu sehen, bestellten aber trotzdem je einen Gin Tonic.

Ein bisschen ermattet von der Wärme und dem Abendessen blickten wir schweigend in den Nachthimmel. Leises klirren kündigte unsere Getränke an.
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Ein Tablett mit zwei Ballongläser, halb gefüllt mit Eiswürfeln, Orangenscheiben, Zitronenscheiben, Zimtstange, roten Pfefferkörnern wird zwischen uns gestellt. Gin ist hoffentlich auch drin, dachte ich. Am Tisch goss die Barkeeperin die Hälfte des Tonic Fläschchens in die Ballongläser.

Ein bisschen irritiert rührten wir mit den kurzen Strohhalmen durch die Obst-Eis-Gewürz-Mischung. Das Tonic prickelte uns an. Ein Schluck und ahhhhhhhhhhhhh!

Orangen-fruchtig, zitronig-sauer, zimtig-warm, pfeffer-würzig, wacholderig, etwas bitter, etwas süß, legt sich der Schluck Gin-Tonic in den Mund und rutscht dann erfrischend durch den Hals. Das ist mit Gordon´s? Was haben wir bestellt? Wir schauen in der Karte: Dort gibt es nur Gin Tonic, verschiedene Portweine, und ein paar Whiskeys,
Andere Länder, andere Gin Tonic Sitten! Wir sind begeistert! So schön, so farbig, so fruchtig!

Bar Saint Tropez, Panorama Hotel, Freiburg

Es ist Montag und wir sitzen in der Bar des Panorama Hotel in Freiburg. Sofort ist klar, Gin Tonic. Mein Mann nimmt den geliebten Hendrick´s und ich suche mir einen aus, den ich noch nicht kenne. „Iris“ ein Schwarzwald Gin von einer Frau gebrannt. Das sind  zwei Argumente diesen Gin zu wählen. Es gibt wenig Frauen, die sich einen Namen als Brennerin gemacht haben. Ich erinnere mich, wie ich als 8-jährige auf dem Land bei einem entfernten Onkel zuschaute, wie Schnaps gebrannt wurde. Wir fuhren von dem winzigen Weiler, irgendwo zwischen Friedrichshafen und Kressbronn gelegen, nach St. Gallen.  Das Ziel war eine Apotheke, wo der Bauer seine Kräutermischung für den Schnaps kaufte. Ein Eis und die Schifffahrt über den Bodensee machten für mich als Kind die Einkaufsfahrt perfekt.
Vom Schnaps brennen bekam ich wenig mit. Der Hofhund war vollkommen außer sich, wenn zweimal am Tag der Zollbeamte kam. Ich durfte nicht zu nahe an die Brennblase und musste aufpassen, dass die Hühner später nicht von der heißen Maische fraßen…
Zurück zu „Iris Dry Gin“. Wir überzeugten, die Barkeeperin Ballongläser für den Gin Tonic zu nehmen und schnell standen sie vor uns. Und, wie ist er?
„Sehr fein, nach Lavendel duftend, aber nicht wie ein Wäschesäckchen, und – probier einfach selbst!“ Ich schiebe meinem Mann das Glas hin.

Blog Jutta Hofmann

Die Gin Neugierde ist noch lange nicht gestillt:

Das Buch „Deutscher Gin“ herausgegeben von Michael Kern, eignet sich wunderbar eine Gin Wunschliste aufzustellen. Tee, Kerbel, Minze, Aromahopfen, Quitten – es scheint kein Kraut zu geben, welches für die Gin-Kreateure nicht zu einem besonderen Brand verarbeitet werden kann.

Saudi food with Eman

„Saudi food with Eman“ – Klassische saudische Küche mit Eman habe ich beim Schmökern auf Instagram – #saudifoodwitheman – entdeckt. Begeisternd in sehr verständlichem Englisch teilt sie auf Instagram kurze Filmsequenzen mit Straßenszenen, Restaurants, Einkaufszentren in Riyadh oder in anderen Städten und natürlich ihre Küche mit uns. Es ist kein Auslandsjournal, sondern Emans Inlandsjournal.

Eman sagt über sich selbst:  I am a Saudi female lady amateur chef that cooks authentic quick Middle Eastern dishes. The authentic Arabic Food with Arabic ingredients in our everyday lives. Some of our dishes are fused with other Arab & Non-Arab countries.

Ihre Gewürzmischung verwende ich sehr gerne für Gerichte mit Lamm, Reh oder Damwild. Das Rezept stammt von ihrem youtube channel

SAUDI SPICES RECIPE:

Ingredients:
2 TBSP CORRIANDER SEEDS
1 TBSP CINNAMON STICKS
1 TBSP CUMIN SEEDS
1 TSP CLOVES
1 TSP TURMERIC POWDER
1 TBSP CARDAMON PODS
1 DRIED LEMON

Recipe:
1) Put a pan on medium high heat, and roast for 10 to 15 min till the spices get light brown and you start smelling the aroma.
2) Let it cool down and blend it in a coffee blender till all smootj.
3) Strain the spices and add it in a glass jar for future use.

Schnell mal backen

Ich muss es sofort ausprobieren, das Rezept! Nur im Augenwinkel habe ich es beim flotten Durchblättern der Zeitschrift gesehen, aber ich weiß sofort: Diesen Kuchen will ich heute zum Kaffee haben. Schnell mal backen…

Schokoladen Napfkuchen mit Kaki Fruchtmus. Seit einer Woche liegen zwei Kaki Früchte in meiner Obstschale. Die Kaki Früchte habe ich gekauft,
weil sie so schön orange sind,
weil ich mich überzeugen wollte, ob sie wirklich nicht schmecken,
weil ich plötzlich ganz viele Bilder mit Kakis in meinem Instagram Account hatte.

Kommt es mir mehr auf das Rezepte ausprobieren oder das Essen an? Ich weiß es nicht. Alles was dazu beiträgt, dass sich meine Tafel von anderen Tafeln abhebt, ist mir willkommen. Bloß nicht das essen was alle essen: Keine Backmischung, kein Fertiggericht. Mich treibt die Neugierde und der Drang anders sein zu wollen an.

Manchmal laufe ich an den Regalen mit Fertiggerichten entlang und lasse mich inspirieren. Das ist so ein bisschen, wie wenn man über einen Friedhof geht, um originelle Namen zu lesen.
Ich nutze die Regale als begehbare Speisekarte, wenn ich im Laden nicht weiß, was ich für die nächsten Mahlzeiten einkaufen soll. Die bunten Bilder auf den Verpackungen zeigen den Inhalt von seiner allerbesten Seite – so wie ich ihn selbst nie auf dem eigenen Teller sehen würde und haben wollte.

Vier Stunden später bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der Kuchen steht auf dem Tisch, jeder hat schon einen Bissen genommen und nickt zustimmend. Ob ich ihn wieder backe?

Wohl kaum, denn ich habe mir heute ein Backbuch gekauft und will als erstes das Quinoa Krokant ausprobieren. Quinoa hatte ich gestern aus dem Korb mit den ausgemusterten Produkten an der Kasse vom Supermarkt gefischt. Ich wollte ausprobieren, ob das Getreide auch schmecken kann…..

Da fällt mir ein, dass es am Oliven Stand auf dem Wochenmarkt auch getrocknete Ananas gibt. War da nicht ein Rezept mit Ananas und Kokosnuss in meinem neuen Buch … ?

Quinoa Krokant und Ananas-Kokos Kugeln stammen aus „Süß und Gesund Weihnachten“ von Stefanie Reeb, erschienen bei Knaur-Balance. Aktuelles von ihr gibt es auf ihrer Internet Präsenz „Wellcuisine“.

Schnell mal Backen mit dem Buch "Süss und Gesund"

Durch Basel sitzen

Neulich in Basel wartete ich auf einer Bank, bis ein Geschäft öffnete. Ich hatte Zeit die kleine Grünanlage aufmerksam zu betrachten: Rasen, Bäume, Bänke, Menschen, Licht, Schatten. Da kam mir die Idee, alle Grünanlagen auf dem Weg von Bahnhof SBB zum Badischen Bahnhof abzusitzen.

Elisabethen-Anlage

Eine sorgfältig angelegte geschwungene Rasenflächen mit großen Bäumen; Die Bänke bestehen aus aneinandergereihten Sitzen. Sie schmiegen sich an das leicht hügelige Gelände. Schüler durchqueren die Grünanlage, Menschen warten aufeinander, verbringen die Mittagspause auf den Bänken. Keiner sitzt im Gras. Weil es gerade berieselt wird oder fürchten sich die Menschen, die in den Banken arbeiten vor Grasflecken auf der Kleidung?

Theater Platz

Auf den Stufen sitzen junge Leute, nicht viele. Mir fällt auf, dass es um den Tinguely Brunnen kaum Bänke gibt. War das so vom Künstler gewollt, oder hatte er keinen Einfluss darauf? In der kleinen Grünanlage, etwas tiefer gelegen als der Brunnen, sind alle Bänke belegt. Ich finde keinen freien Platz und möchte nicht ins Unterholz kriechen. Die Bäume sind niedrig und dicht, so hat das Plätzlein etwas von einem Wald, in dem man im Herbst Pfifferlinge finden könnte.

Botanischer Garten der Uni Baselagave

Das ist mein Lieblingsplatz. Das Tropenhaus ist im Winter perfekt, um sich aufzuwärmen.
Abgesehen davon liebe ich es durchzustreifen, denn ich entdecke immer wieder neue Pflanzen, die aber schon immer an ihrem Platz standen. Jetzt im Sommer war ich alleine im Haus. Wer geht schon von der Hitze außen in die schwüle Hitze innen? Ich. Später suche ich mir draußen eine Bank. Es gibt die richtige Mischung aus Licht, Schatten, Bäumen, Sträuchern, Blumen alles wohlgeordnet, aber doch mit einem Hauch von Unordnung. Die Menschen hier machen ihre Pause, ich habe den Eindruck, dass sie sich intensiv unterhalten oder innehalten.

Petersplatz

Der Platz ist dunkel, sehr große Bäume lassen den gesamten Boden im Schatten sein. Wege durchkreuzen den Platz, auf dem Rasen sitzen ist verboten, auf den Bänken sind sehr wenige Menschen. Es ist heiß, aber trotzdem scheint der kühle, tiefe Schatten keine Anziehungskraft zu haben. Der Platz ist schwer. Er hat nicht von der Leichtigkeit und Vielfalt des botanischen Gartens. Er ist kein Hortus für Blumen und Geist. Er ist streng. Was war früher auf dem Petersplatz? Ein Gerichtsplatz? Ich werde mal nachschauen.

Claraplatz

Ist in Kleinbasel. Er hat sehr schöne Beton-gefasste Blumenbeete, viele Bänke um die Beete, von denen sich der sehr belebte Platz beobachten lässt. Ich möchte mich nicht setzen. Ich bin entsetzt über die Menschen hier. Sie sind arm, missgestaltet, Alkoholiker, krank, ausgesetzt, oder sie haben sich selbst durch alle Maschen fallen lassen. Sie sind alleine, in der Gruppe oder zu zweit. Sie sind heruntergekommen oder heruntergefallen. Hier kommen sie ans Licht. Gemeinsam. Es sieht aus, als hätte sie ein mächtiger Besen, von Großbasel kommend über den Rhein gefegt, dort wären sie durcheinander gewirbelt worden, um schließlich auf den Claraplatz zu fallen.

Claramatten

casabela-sonnenroeschen

Der Platz ist groß, mit freundlichem Schatten, ohne Rasen, dafür mit einem großen Wasserbecken für die Kinder. Es gibt einen Kiosk, einen Spieleverleih, Bänke mitten im Getümmel oder Bänke auf der Seite. Ich setze mich auf die Seite. Auf den Bänken abseits sitzen hauptsächlich Männer mit südländischem Aussehen. Sie reden miteinander oder lassen stumm Gebetsperlen durch die Finger gleiten. Beim Wasserbecken sind Kinder alleine oder mit ihren Müttern. Nicht weit entfernt an den Bänken mit Tischen machen kleine Gesellschaften Picknick, es sind keine ursprünglichen Basler, sie sind bunt, lebendig, sie haben nicht das Geld, um in der Gegend mit den wohlgeordneten Sitzen in der Grünanlage zu wohnen, sie haben vermutlich weder Garten noch Balkon.

Am anderen Tag erzählte ich es einer Freundin. Sie fragte mich: Und was macht das für einen Sinn?
Eine Stadt besteht nicht nur aus Geschäften, Sehenswürdigkeiten und Museen. Sie besteht auch aus Plätzen und den Menschen auf diesen Plätzen. Wer sitzt wo warum?